Vertrau Dir!

Vertrauen - was heisst es, wirklich zu vertrauen?


Vertrauen hat nicht nur mit Selbstvertrauen im herkömmlichen Sinn zu tun. Es gibt viele Menschen, die selbstbewusst durchs Leben schreiten. Doch sich selbst, seiner Inneren Stimme und den wahren Gefühlen zu vertrauen, das ist eine viel höhere Kunst.

Ich möchte euch eine Geschichte aus meinem Leben erzählen. Am Wochenende ist für mich wieder einmal einer dieser Seifenblasen zerplatzt. Das nenne ich so, wenn ich felsenfest an etwas geglaubt hatte und wirklich 100% davon überzeugt war, dass dies die absolute Wahrheit sei. Und ich dann ernüchternd feststellen muss, dass es eben doch nicht so war. Das sind jeweils die kleinen Illusionen, die sich in Luft auflösen - zerplatzt wie eine Seifenblase. Ob das, was ich neu entdeckt habe, nun wirklich die „Wahrheit“ ist, wird sich noch herausstellen. Ich kann nur soviel sagen, die Wahrheit, die Wirklichkeit sozusagen, habe ich bis jetzt nur in meiner Gefühlswelt erfahren.

Nun gut, zurück zur Geschichte, was ist passiert? Seit bald zwei Jahren türmen sich in unserem Abstellzimmer immer noch Überbleibsel von den Hausräumungen meiner Eltern, die im 2012 verstorben sind. Ich hatte schon vieles ausgemistet, doch da sind noch einige wenige Ordner mit wichtigen Dokumenten gewesen, die ich nicht einfach so wegwerfen wollte. Das Durchschauen habe ich nun monatelang vor mich hergeschoben. Unbewusst hat da bestimmt ein Teil in mir gewusst, was da auf mich zukommt….. Dazu habe ich im nach hinein festgestellt, dass dieses ewige schummrige Gefühl von „ich sollte noch“ unglaublich viel Energie frisst. Du kennst bestimmt das befreiende Gefühl, wenn du endlich etwas erledigst, was du schon lange hättest tun sollen. Diese blockierte Energie auf solche Dinge ist nicht zu unterschätzen! Ich habe mir nun fest vorgenommen, ab sofort solche Dinge immer sofort zu erledigen, um mehr Raum für die wirklich wichtigen Sachen in meinem Leben zu haben.

Also, ich habe das graue Novemberwetter dafür genutzt, nun doch noch die restlichen Ordner durchzuschauen. Darin habe ich Briefe gefunden, die sich meine Eltern kurz vor ihrer Trennung geschrieben haben. Ich war damals sechs Jahre alt und für mich ist eine Welt zusammengebrochen, als mein Papi nicht mehr nach Hause gekommen ist. Über Jahre hat man mir dann Geschichten erzählt, wie alles war und was passiert sei. Und mein ganzes Leben lang hatte ich das Gefühl, dass da irgendetwas, irgendwie, irgendwo einfach nicht stimmen konnte. Doch alle haben Sie die selben Geschichten erzählt und ich, das kleine Mädchen, habe allen ganz schön brav geglaubt, obwohl mein Gefühl mir immer etwas anderes sagte.

Klar, ich hatte später einen ganz lieben Stiefvater und ich durfte im Grossen und Ganzen eine schöne Kindheit erleben. Doch vom Zeitpunkt an, als mein Papi weg war, ist auch ein Teil von mir gegangen. Es ist so richtig krass, wenn ich die Fotos von dieser Zeit anschaue. Plötzlich waren diese leuchtenden Kinderaugen verschwunden. Ich war so tief verletzt und traurig und habe die Tür zu meinem Herzen fest verschlossen. Dies sollte mir nie wieder passieren! Ich war ja so fest davon überzeugt, dass mein Papi mich verlassen hatte und mich nicht mehr liebt. Das dies so nicht gestimmt hatte, durfte ich glücklicherweise schon am Sterbebett meines Vaters erleben. Noch nie im Leben habe ich so eine tiefe Liebe zu einem Menschen gespürt. Wir waren so tief verbunden im Herzen, als er sich auf den Weg ins Jenseits machte.

Und nun haben die Briefe meiner Eltern noch die letzte Klarheit gebracht. Für einen Moment ist da für mich wirklich eine Welt zusammengebrochen. Alles, woran ich geglaubt hatte, war in dieser Form nicht wahr. Mir ist natürlich bewusst, dass solche Lügengeschichten zu meinem vermeintlichen Schutz gedacht waren. Doch am Ende sind es dennoch Lügen, die alle Beteiligten auf die Dauer belasten. Auch das sind Energiefresser. Vor allem wenn die Wahrheit eines Tages ans Licht kommt - und das tut sie IMMER - kann es echt schockierend sein! Ich bin wirklich froh, habe ich gelernt mit solchen Situationen umzugehen und mir selbst und anderen vergeben zu können. Und glücklicherweise ist es auch möglich, mit Verstorbenen zu kommunizieren und es war wirklich spürbar, wie viel Heilung passieren durfte. DANKE für diese Erfahrung, auch wenn es Jahrzehnte gedauert hat, um endlich Klarheit zu bekommen.

Das meine ich mit sich selbst zu (ver)trauen. Höre stets auf dein Bauchgefühl und handle danach, auch wenn es für den Moment irrsinnig und dumm erscheint. Es sind diese Impulse im Leben, die nicht überhört werden dürfen. Das ist deine innere Stimme, deine Intuition. Heute spreche ich die Menschen konkret darauf an, wenn ich auf der Gefühlsebene eine Unstimmigkeit wahrnehme. Klar, das braucht Mut und manchmal bin ich auch auf Ablehnung gestossen, wenn sich jemand ertappt fühlt. Doch am Ende hat es sich immer gelohnt zu mir und meinen Gefühlen zu stehen und auszusprechen, was mich bewegt.

Schön, wenn ich dich ermuntern kann in Zukunft vermehrt auf dein Bauchgefühl zu hören und den Mut zu haben, auch dazu zu stehen. Das ist wahres (Selbst)Vertrauen!

Alles Liebe
Deborah


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Kommentare: 1
  • #1

    Meliha Gök (Dienstag, 18 November 2014 23:05)

    Meine liebe Deborah,
    Deine Geschichte habe ich voller Spannung gelesen, danke dafür, dass Du Deine Geschichte teilst... es hat mir Mut gemacht, mich in meinen Gedanken zum Vertrauen des Ursprungs, nämlich mein Inneres dieses wunderbare, warme angenehme Licht meines Ichs zu vertrauen, danke...