Fassungslos

Ich bin traurig, fassungslos, geschockt. Letzte Nacht ist ein Kollege von mir aus dem Leben gegangen. Er hat den Freitod gewählt. Diese Tatsache geht mir sehr, sehr nahe. Ich habe ihn zwar nicht so gut gekannt, doch haben wir viele Stunden beim gemeinsamen Sport verbracht, auf Ziele hintrainiert und Siege gefeiert. Das ist eine Weile her. Ich habe gewusst, dass er im letzten Jahr wegen einem Burn Out nicht mehr gearbeitet hatte. Und im Januar dieses Jahres habe ich ihn getroffen.

Er hat mir in zwei Minuten soviel über sich erzählt, dass ich danach selber erstaunt war, in so kurzer Zeit soviel erfahren zu haben. Er war wieder am arbeiten und hat funktioniert. Doch ich habe gefühlt, dass es ihm elend scheisse ging. Er war am Anschlag und er konnte nicht mehr. Ich hatte einen kurzen Moment den Impuls, eine Karte von mir zu geben. Doch dann habe ich es gelassen. Vielleicht war das genau richtig so, aber vielleicht war ich auch einfach nicht mutig genug. Hätte es etwas geändert? Ich weiss es nicht. Ich habe seit diesem Treffen sehr oft an ihn gedacht und ihm mein Mitgefühl geschickt. Das war das Einzige, was ich tun konnte. Was wäre gewesen, wenn ich hätte? Diese zermürbenden Fragen darf ich mir nicht stellen. Jetzt ist es zu spät. Leider. Es macht mich traurig und wütend zugleich. Wieso gibt es so viele Menschen, die leiden? In so Momenten bin ich unendlich traurig über meine eigene Undankbarkeit dem Leben gegenüber. Alles ist so selbstverständlich. Nein ist es nicht! Nicht für viele andere Wesen auf dieser Welt. Ja, ich fühle mich gerade schlecht, weil ich das Gefühl habe, nicht genug getan zu haben. Ja ich weiss, dass jeder seinen Weg hat und den für sich wählt. Und da gilt es für mich dies so anzunehmen. Diese Hilflosigkeit zu sehen, wie es anderen schlecht geht. Das ist in meinem Leben die grösste Herausforderung. Und ich komme mir dann so lächerlich vor mit meinen „Problemen“. Oh mein Gott bin ich ignorant.

Tja, da sitze ich nun. Den lieben Kollegen in meinem Herzen, im Wissen, dass es ihm jetzt besser geht. Mit meiner Fassungslosigkeit und Trauer kann ich umgehen. Das vergeht wieder und solche Dinge bringen einem wieder auf den Boden. Es relativiert Vieles. Aber was mich wirklich bewegt, ist die Tatsache, dass ich durch meinen Egotrip vielen Menschen die Möglichkeit genommen habe, durch mich Heilung zu erfahren. Ja ich weiss, ich durfte auch vielen eine Stütze und Inspiration sein. Doch ich fühle für mich, dass es Raum für mehr gegeben hätte. Und das schmerzt. Das sitzt tief in meiner Seele und tut mir unendlich leid. ….denn sie wissen nicht, was sie tun…. ja in etwa so. Ein Teil in mir wollte nicht, ich war lange zu sehr mit mir selbst beschäftigt und habe das Wesentliche aus den Augen verloren. Dieser Wahrheit in die Augen zu schauen ist nicht lustig. Doch es ist der einzige Weg in die Freiheit. Es ist wieder ein Anteil von mir, der angenommen werden möchte, der selbst Heilung erfahren möchte. Und das tue ich. Nicht nur meiner selbst willen sondern all den verlorenen Seelen da draussen. Dass sie ihren einzigartigen Weg ins Glück finden und den Mut haben, diesen Weg zu gehen. So tue ich mein Bestes, gehe vertrauensvoll meinen Weg und hoffe, dem einen oder anderen ein Licht zu sein und den Weg zu weisen. Sei mutig, sei achtsam, schau zu Dir und gib nie auf. Es gibt immer eine Lösung und jeder Weg ist der Richtige. Just do it!

von Herzen
Deborah

 

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